top of page

Im Gespräch mit Sven Berberich

  • vor 2 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit
Sven Berberich mit vollem Fokus auf das anstehende Relegationsfinale in Mudau
Sven Berberich mit vollem Fokus auf das anstehende Relegationsfinale in Mudau

Nach einem intensiven halben Jahr verlässt Sven Berberich den TSV Billigheim und wechselt zum Verbandsligisten FC Zuzenhausen. In seiner kurzen Zeit bei uns stand Sven nicht nur als Spieler auf dem Platz, sondern übernahm in der entscheidenden Saisonphase gemeinsam mit Marvin Flad und Kai Bauer auch Verantwortung im Trainerteam.

Im ausführlichen Abschiedsinterview blickt Sven auf seine Zeit beim TSV, die emotionalen Wochen im Abstiegskampf, den erfolgreichen Klassenerhalt und seine neue sportliche Herausforderung zurück.



1. Wie blickst du insgesamt auf deine Zeit als Spieler beim TSV Billigheim zurück?


Ich blicke auf eine harmonische, intensive und vor allem sehr schöne Zeit beim TSV Billigheim zurück. Auch wenn es rückblickend „nur“ ein halbes Jahr war, habe ich beim TSV etwas wiedergefunden, das für mich lange nicht mehr selbstverständlich war: die Freude am Leben und insbesondere die Freude am Fußball.

Nach den vielen privaten Ereignissen und Herausforderungen vor meinem Wechsel war diese Leichtigkeit ein Stück weit verloren gegangen. Umso dankbarer bin ich, dass ich beim TSV wieder so viel Spaß, Leidenschaft und Begeisterung empfinden durfte.



2. Welche Spiele, Erlebnisse oder gemeinsamen Momente werden dir besonders in Erinnerung bleiben?


In dieser Zeit sind so viele schöne Erlebnisse entstanden, dass man wahrscheinlich tatsächlich ein eigenes Buch darüber schreiben könnte.

Sei es unsere Winterwanderung zu Beginn der Vorbereitung oder später die vielen Gespräche als Interimstrainer mit den Spielern. Gerade diese Gespräche sind mir besonders in Erinnerung geblieben, weil es dabei längst nicht immer nur um Fußball ging. Oft stand vielmehr der Mensch im Mittelpunkt: Was beschäftigt ihn? Welche Sorgen und Herausforderungen trägt er mit sich herum? Und wie kann man ihn dabei unterstützen?

Ein Erlebnis sticht für mich persönlich aber besonders heraus: unser Spiel gegen Tauberbischofsheim.

Nach den großen Rückschlägen gegen Tauberhöhe und Oberwittstadt hatte man zwischenzeitlich das Gefühl, dass wir als Mannschaft wie gelähmt waren. Der Glaube an den Klassenerhalt, der zu Beginn der Saison noch so stark vorhanden gewesen war, schien nicht mehr bei allen gleichermaßen präsent zu sein.

Aber genau in dieser Situation haben wir uns als Mannschaft noch einmal zusammengesetzt. Wir haben offen darüber gesprochen, welche Fehler wir gemacht hatten, was nicht funktioniert hatte und was wir verändern mussten. Wir haben reflektiert, diskutiert und uns gegenseitig wieder Mut gemacht.

Und dann gegen den damaligen Tabellenführer Tauberbischofsheim zu sehen, mit welchem Willen, welcher Leidenschaft und welcher Einsatzbereitschaft diese Mannschaft aufgetreten ist, war für mich etwas ganz Besonderes. Wir haben uns beinahe mit dem direkten Klassenerhalt belohnt.

Nach diesem Spiel war für mich persönlich klar: Diese Mannschaft steigt nicht ab.



3. Was hat die Mannschaft und den Verein während deiner Zeit beim TSV für dich ausgezeichnet?


Was mich besonders beeindruckt hat, war die unglaubliche Hingabe, mit der sich die Familie Derfuß und die vielen Funktionäre um den Verein kümmern. Am liebsten würde ich jeden Einzelnen aufzählen, weil jeder auf seine Art einen wichtigen Beitrag leistet.

Eine solche Vereinsverbundenheit habe ich in dieser Form bisher eigentlich nur in Wagenschwend erlebt. Man spürt beim TSV einfach, dass es nicht nur darum geht, am Wochenende Fußball zu spielen. Der Verein ist ein Stück weit für Gemeinschaft und ein Zuhause

Sehr stark finde ich außerdem, dass der TSV bereits viele Themen wie Nachhaltigkeit und Innovation angeht und damit versucht, auch langfristig eine attraktive Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Großgemeinde Billigheim zu bleiben.

Auch die Mannschaft hat mich sehr beeindruckt. Trotz schwieriger Phasen und Rückschläge hat sie immer wieder Charakter gezeigt. Und ganz persönlich kann ich sagen: Von jedem einzelnen Spieler habe ich auch menschlich etwas gelernt. Genau das macht für mich eine Mannschaft aus.


Alles im Blick beim Anschwitzen
Alles im Blick beim Anschwitzen

4. Zum Ende der vergangenen Saison bist du kurzfristig noch einmal als Spielertrainer beziehungsweise Teil des Trainerteams eingesprungen. Wie hast du diese besondere Situation erlebt?


Ehrlicherweise kam die Situation für mich zunächst überraschend. Ich schätze Thomas und Robin sowohl als Trainer als auch als Menschen außerhalb des Fußballplatzes sehr. Beide hatten einen großen Anteil daran, dass der TSV Billigheim auch in der kommenden Saison Landesliga spielen wird.

Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, den beiden einfach von Herzen Danke zu sagen – für ihre Arbeit, ihr Vertrauen und die gemeinsame Zeit.

Als die Vorstandschaft nach dem Spiel gegen Oberwittstadt jedoch einen neuen Impuls setzen wollte, habe ich mich relativ schnell dazu bereit erklärt, dem Verein in dieser Phase in einer anderen Rolle zu helfen.

Der TSV hatte mir persönlich so viel Freude zurückgegeben. Deshalb wollte ich in diesem Moment auch etwas zurückgeben und Verantwortung übernehmen.

Und als dann feststand, dass Marvin und Kai mich dabei unterstützen würden, musste ich ehrlich gesagt nicht zweimal überlegen.



5. Wie schwierig war es, innerhalb kürzester Zeit vom Mitspieler stärker in eine verantwortliche Trainerrolle zu wechseln?


Es war definitiv keine einfache Situation.

Ich bin jedoch ein Mensch, der sehr zielstrebig ist und auch in schwierigen Situationen gerne Verantwortung übernimmt. Gleichzeitig war mir von Anfang an eines besonders wichtig: Ich wollte das Sportliche und das Private nicht miteinander vermischen.

Ich kenne viele Jungs aus dem Verein bereits seit mehreren Jahren und habe zu einigen auch außerhalb des Fußballs eine enge Freundschaft. Deshalb habe ich während dieser Zeit ganz bewusst eine gewisse Distanz aufgebaut.


Nicht, weil mir die Freundschaften weniger wichtig waren – ganz im Gegenteil. Ich wollte sie gerade dadurch schützen und gleichzeitig meiner Rolle als Trainer gerecht werden.

Ich wollte vorangehen, Entscheidungen treffen und auch unangenehme Entscheidungen treffen können, ohne dass persönliche Beziehungen meine Sichtweise beeinflussen.

Im Nachhinein kann ich sagen: Ich glaube, dass uns das sehr gut gelungen ist.


Gemeinsam mit Kai Bauer und Marvin Flad übernahm Sven die Mannschaft zum Ende der Saison
Gemeinsam mit Kai Bauer und Marvin Flad übernahm Sven die Mannschaft zum Ende der Saison

6. Was ging in dir während des letzten Saisonspiels und vor allem während der beiden Relegationsspiele vor?


Es waren zunächst sehr viele Gedanken, die mir durch den Kopf gegangen sind.

Wir haben mit jedem einzelnen Spieler viele Gespräche geführt, um herauszufinden, wo wir stehen und ob wir als Mannschaft wirklich auf dem richtigen Weg sind.

Dabei wollte ich die Jungs aber nicht mit unzähligen taktischen Abläufen überladen. Mir war wichtiger, gezielt auf jeden einzelnen Spieler einzugehen und ihm konkrete Hilfestellungen zu geben. Jeder sollte für bestimmte Situationen eine Lösung parat haben und wissen, was seine Aufgabe ist.


Ein weiterer Schwerpunkt waren für mich die Standardsituationen. Gerade in entscheidenden Spielen – und insbesondere in Relegationsspielen – kann ein ruhender Ball den Unterschied machen. Deshalb haben wir verschiedene Varianten einstudiert und gezielt trainiert.


Natürlich gab es auch bei mir Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob der eingeschlagene Weg wirklich der richtige ist.

Aber ich habe im Leben gelernt, seiner Linie treu zu bleiben. Wenn man von einem Weg überzeugt ist, darf man sich von kleinen Rückschlägen nicht sofort davon abbringen lassen.



7. Wie hast du die Mannschaft in dieser entscheidenden Phase erlebt und was war aus deiner Sicht ausschlaggebend dafür, dass am Ende der Klassenerhalt gelungen ist?


Die Mannschaft war wie neugeboren.

Sie hat plötzlich eine unglaubliche Energie ausgestrahlt. Lernbereitschaft, Fleiß, Wille und Leidenschaft waren wieder überall zu spüren.

Was mich besonders beeindruckt hat, war die Ehrlichkeit jedes Einzelnen. Die Jungs waren bereit, sich selbst kritisch zu hinterfragen und eigene Fehler einzugestehen. Niemand war sich zu schade zu sagen: „Da habe ich einen Fehler gemacht.“

Für mich ist das wahre Größe.


Der entscheidende Grund für den Klassenerhalt war aus meiner Sicht aber, dass jeder seine Rolle verstanden hat – und diese Rolle anschließend zu 110 Prozent verkörpert hat.

Wir hatten einen gemeinsamen Plan. Und irgendwann hat jeder Einzelne aufgehört, nur an sich selbst zu denken. Jeder hat verstanden, dass es nur gemeinsam funktionieren kann.

Wir haben diesen Plan gemeinsam erarbeitet – und am Ende hat jeder daran geglaubt.


Kritische Situation - Göhl muss verletzt raus, Flad kommt ins Spiel
Kritische Situation - Göhl muss verletzt raus, Flad kommt ins Spiel

8. Was nimmst du persönlich aus deiner kurzen Zeit im Trainerteam mit? Könntest du dir grundsätzlich vorstellen, später noch einmal als Trainer oder Spielertrainer tätig zu sein?


Ich nehme sehr viel aus dieser Zeit mit.

Vor allem habe ich gelernt, dass du als Trainer immer eine Vorbildfunktion einnimmst. Du darfst von deinen Spielern Werte wie Ehrlichkeit, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein oder Leidenschaft einfordern – aber dann musst du dich selbst auch regelmäßig kritisch hinterfragen und prüfen, ob du diese Werte zu 100 Prozent selbst verkörperst.

Denn sobald du eine Aussage tätigst, aber selbst nicht danach handelst, wirst du unglaubwürdig. Und damit verlierst du das Wichtigste, was ein Trainer haben kann: das Vertrauen seiner Spieler.


Außerdem habe ich gemerkt, dass sich Transparenz und Ehrlichkeit langfristig immer durchsetzen. Auch wenn es manchmal einfacher wäre, unangenehme Situationen zu umgehen oder Dinge aufzuschieben.

Je früher man Probleme anspricht, desto früher kann man neue Prozesse anstoßen und Lösungen finden.


Und vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich persönlich: Auch wenn man Verantwortung übernimmt, darf man sich selbst nicht verlieren.

Wenn irgendwann der passende Verein zur richtigen Zeit kommt, kann ich mir durchaus vorstellen, wieder als Spielertrainer zu arbeiten. Im Moment habe ich für mich aber bewusst entschieden, noch weitere Erfahrungen im höherklassigen Fußball als reiner Spieler zu sammeln.



9. Was hat den Ausschlag für deinen Wechsel gegeben und worauf freust du dich bei deiner neuen sportlichen Aufgabe besonders?


Der erste Ausschlag war sicherlich mein persönlicher Ehrgeiz. Ich möchte mir selbst noch einmal beweisen, wie hoch ich im Fußball tatsächlich spielen kann.

Gleichzeitig hatte ich den Wunsch, den Odenwald fußballerisch zu verlassen und mich in einem neuen Umfeld und einem neuen Fußballkreis zu beweisen.

Dann haben mich Andi Bürger und Marc Schneckenberger vom Projekt beim FC Zuzenhausen überzeugt.

Was mich besonders angesprochen hat, ist die Gemeinschaft innerhalb des Vereins. Gerade im höherklassigen Fußball ist das aus meiner Sicht nicht selbstverständlich.

Dazu kommt der Anspruch, Amateursport mit einem Hauch Professionalität zu verbinden. Genau diese Kombination hat mich letztendlich überzeugt, noch einmal ein neues Projekt zu starten.


Ich freue mich sehr auf die Gemeinschaft, die hervorragenden Trainingsbedingungen vor Ort und vor allem darauf, durch ehrliche Arbeit den Fußball des FC Zuzenhausen mitzuverkörpern.


Geschafft - Sven und die Mannschaft feiern den Sieg auf der Rückfahrt im Bus
Geschafft - Sven und die Mannschaft feiern den Sieg auf der Rückfahrt im Bus

10. Was möchtest du deinen bisherigen Mitspielern, den Verantwortlichen und den Fans des TSV zum Abschied noch mit auf den Weg geben?


Ich möchte mich bei allen Spielern, Zuschauern, meinen Kumpels, Betreuern und Verantwortlichen von ganzem Herzen für diese intensive und wunderschöne Zeit bedanken.

Jeder Einzelne hat seinen Teil dazu beigetragen, dass ich mich irgendwann – vielleicht viele Jahre später – bei einem Bier am Stammtisch zurücklehnen und mit einem Lächeln auf diese Zeit zurückblicken werde.

Ich werde mich nicht nur an die Spiele erinnern. Ich werde mich vor allem an Menschen erinnern. An Gespräche, gemeinsame Erlebnisse, schwierige Momente, an Lachen, an Emotionen und an die vielen kleinen Augenblicke, die diese Zeit so besonders gemacht haben.


Und den Jungs möchte ich eines mit auf den Weg geben:

Wenn irgendwann wieder eine schwierige Phase kommt, wenn es auf dem Platz nicht läuft oder der Glaube an euch selbst einmal verloren geht, dann erinnert euch an unsere letzten drei Spiele der Saison 2025/26.

Erinnert euch daran, was für herausragende Qualitäten in jedem einzelnen von euch stecken.


Ihr habt in diesen Spielen gezeigt, was möglich ist, wenn jeder für den anderen kämpft, jeder seine Rolle annimmt und sich jeder dem Team unterordnet.

Denkt an unseren Kreis zurück. Denkt an die Worte, die wir dort miteinander gesprochen haben. Denn genau dort lag unsere Stärke.

Nicht einer allein hat den Klassenerhalt geschafft. Wir haben ihn gemeinsam geschafft.

Und genau dieses Gefühl wünsche ich euch für die Zukunft: Glaubt aneinander, bleibt füreinander da und vergesst niemals, was möglich ist, wenn aus vielen Einzelnen eine echte Mannschaft wird. Und vor allem: Danke, dass ihr mir sehr wieder Freude zurückgegeben habt.


Vielen Dank für deinen Einsatz auf und neben dem Platz, Sven! Wir wünschen dir für deine neue sportliche Herausforderung beim FC Zuzenhausen sowie für deine persönliche Zukunft nur das Beste. Einmal TSV – immer ein Teil der TSV-Familie! 💙🤍


Mach´s gut Sven!
Mach´s gut Sven!

 
 
 

Kommentare


bottom of page